Veröffentlichungen: ArtikelArtikel in KuaS Oktober 2004Gentechnisch veränderte Sukkulenten - noch ein Tabuthema? Hand aufs Herz, liebe Kakteenfreunde, würden Sie nicht gern einen blau blühenden Kaktus haben wollen? Und wenn Sie Hybriden-Züchter sind: Würde Sie es reizen, ihn zum Einkreuzen zu verwenden?
Noch keine Gentechnik: eine Mediolobivia mit aufgesteckten Blüten von Hepatica nobilis, dem Leberblümchen Ich bin mir natürlich im Klaren, dass dieses Thema bei Einigen von uns auf strikte Ablehnung stößt. Aber warum? Wollen wir unsere Pflanzen oder deren Früchte essen? Oder würde der Pollen gentechnisch veränderter Kakteen unsere Sammlungen "verseuchen"? Wohl kaum, denn bisher haben wir es doch auch verstanden, unsere Pflanzen reinerbig zu vermehren, obwohl viele Arten leicht durch Insekten hybridisiert werden und in den meisten Liebhaber-Sammlungen sowiso schon Bastarde zwischen den Pflanzen stehen. Und sammeln wir nicht gern Mutationen? Sind sie doch auch nichts anderes als Pflanzen mit Gendefekten, zum Beispiel die
Pfuschen wir mit technischen Mitteln der Natur ins Handwerk? Ja, das stimmt, aber der Mensch manipuliert schon seit Jahrhunderten in Fauna und Flora herum und ist sehr erfolgreich dabei! Sonst gäbe es keine Nutz- oder Haustiere, nicht unsere lebenswichtig gewordenen Obst- und Gemüsesorten und nicht die vielen Hybriden unserer Zierpflanzen. Erste Versuche, Blütenfarben gentechnisch zu verändern, sind bereits gemacht worden. So wurden schon lachsrote Petunien und blau blühende Nelken "erzeugt". Letztere sind in großer Stückzahl vermarktet worden. Nur hat die Entwicklung einer holländischen Firma sehr, sehr viel Geld gekostet. Man kann aber sicher davon ausgehen, dass andere, preiswertere Techniken entwickelt werden. Wird die Gentechnik auch in der Kakteenzucht Einzug halten? Meines Erachtens ja. Es fragt sich bloß, wann ein Gentechniker irgendwo auf der Welt ein privates Interesse daran hat (weil er vielleicht selbst Kakteen besitzt) und den Anfang macht. Sollten wir einen Anreiz schaffen und einen Preis aussetzen? Ich würde mich freuen, liebe Kakteenfreunde, wenn Sie mir schreiben und mit mir das Pro und Kontra sachlich diskutieren würden. Artikel in KuaS Dezember 2000Blüten mit mehreren Griffeln
Verschwenderische Natur: Jede Menge Griffel bildeten eine weißblühende Mammillaria theresae, eine Parodia schlosseri und die Rosetten-Sukkulente Tacitus bellus aus (von links) Jeder, der eine Mindestanzahl von Kakteen und andere Sukkulenten besitzt, wird selbst schon Phänomene wie Cristate, dichotome Teilungen, Zwillingskeimlinge, in Sprosse umgewandelte Blütenknospen, farbliche Veränderungen der Epidermis usw. beobachtet haben. Handelt es sich aber wie hier um selten zu sehende Blüten, muss ein Berufstätiger Glück haben, dass das Ereignis aufs Wochenende fällt oder es eine Pflanze ist, deren Blüten sich abends nicht schließen. Wie schön haben es doch (wir) Rentner, können viel mehr beobachten als andere und sind jederzeit fotografierbereit! Wie ein Siamesischer Zwilling mutet die weiße Blüte der Mammillaria theresae an. Wahrscheinlich sind hier zwei Blüten zusammengewachsen und zwei Fruchtknoten vorhanden. Bei einer Parodia (Notocactus) schlosseri erschien sogar eine Blüte mit drei Griffeln. Dagegen waren die Griffel in der Blüte eines Stenocactus (Echinofossulocactus) spec. kaum noch zu zählen (links das nicht gedruckte Bild). Inmitten einer Vielzahl von Tacitus bellus-Blüten einer größeren Pflanze mit über 25 Einzelrosetten fand sich einmal eine cristatähnliche Blüte. Die Rosette, aus der die Dolde mit sechs normalen und nur einer abnormalen Blüte entsprang, war jedoch keine Cristate.
Alle hier erwähnten Blüten traten spontan auf, das heißt, die davor und danach erschienenden Blüten waren stets normal ausgebildet. Es scheint daher zweifelhaft, ob solch eine Abnormität vererbbar ist. Hinter dem Phänomen, wodurch die Bildung von Blüten mit mehreren Griffeln ausgelöst wird, steht aber ein Fragezeichen. Oder hat die Wissenschaft eine Erklärung? Es wäre sicher von allgemeinem Interesse, wenn sich Sukkulenten-Liebhaber mit ähnlichen Erfahrungen und weiter gehenden Kenntnissen in der KuaS äußern würden. Artikel in KuaS Juli 2000Blühwunder Weingartia neocumingii Backeberg
Abb. 1: Die Pflanze ist kaum noch zu erkennen: Jedes Jahr im Frühling blüht Weingartia neocumingii überreich Jedes Jahr im Frühling fällt mir auf, wie reich Weingartia neocumingii (Abb. 1) blüht. Und das nicht nur in mehreren, den Mammillarien ähnlichen Kränzen, sondern auch mit einem zweiten Flor im Sommer! Wenn man dem Phänomen nachgeht, können zwei Ursachen in Betracht kommen: 1. Mehrfachblüten aus einer Areole, 2. Wiederholtes Blühen aus der gleichen Areole. Bei einigen Kakteen kommen Mehrfachblüten häufig vor und sind aus der Literatur schon länger bekannt (OESER 1979). Es wurde von Zwei-, manchmal auch von Dreifachknospen berichtet und mit Fotos dokumentiert. Abb 2 zeigt vier Knospen an einer Areole. Nicht immer entwickeln sich aber solche Bukettknospen zur vollen Blüte, sondern trocknen ein, wenn nicht reichlich gegossen und/oder die Pflanze im schlecht gelüfteten Gewächshaus kultiviert wird.
Abb. 2: Vier Knospen aus einer Areole. Nicht immer kommt aber jede zur Blüte Abb. 3 zeigt eine im Vorjahr markierte Areole, die zum zweiten Mal blühen will. Es ist die gleiche Pflanze wie bei Abb. 1, jedoch drei Jahre später. Ich hatte sie als Weingartia cumingii (AUGUSTIN 1979) erworben. Sie unterscheidet sich tatsächlich etwas von der Pflanze in Abb. 2 hinsichtlich der Bedornung. Auch beobachtete ich viel seltener Mehrfachknospen. 1998 wurden von mir einige Areolen, die geblüht hatten, mit schwarzem Filzstift markiert. 1999 (im Sommer) zeigten alle markierten Areolen je eine Knospe. Leider hatte ich nicht alle abgeblühten Areolen markiert, so dass man nicht sagen kann, ob die Areolen schräg unten rechts zum zweiten oder zum dritten Mal blühen will. Dieses Jahr werde ich sehen, ob die 1998 markierten Areolen nur zwei- oder auch dreimal blühen. Mehrfachblüten wurden sowohl bei mehreren Weigartien-Arten als auch bei Sulcorebutien und Myrtillokakteen beobachtet. Die erstgenannten Gattungen sollen übrigens Rebutia zugeordnet werden (NYFFELER & EGGLI 1994). Neoporteria rapifera und verwandte Arten habe ich im Verdacht, dass ihre Areolen ebenfalls mehrere Male blühen können.
Abb. 3: Aus einer im Vorjahr markierten, abgeblühten Areole erscheint erneut eine Knospe Literatur: AUGUSTIN, K. (1979): Die vielen Namen von Weingartia neocumingii. - Kakt. and. Sukk. 30(8): 194-195 NYFFELER, R. & EGGLI, U. (1994): Die Konsensklassifikation der Kakteen. - Kakt. and. Sukk. 45(7): 142-149 OESER, R. (1979): Über mehrfache Knospen und Blüten bei Weingartien und Sulcorebutien. Kakt. and. Sukk. 30(8): 222-223 Artikel in KuaS April 1999Mein erster KuaS-Beitrag war ein Aprilscherz und erschien anonym, da zu befürchten war, dass von humorlosen Kakteenfreunden empörte Briefe kommen. (Wen die Fotomontagen interessiert: Siehe unter "Über meine Fotos") Der letzte eingeklammerte Absatz stammt nicht von mir, auch nicht das gedruckte Bild der Espostoa und mit den aufgesteckten Mohnblüten. Mein ursprünglich vorgesehenes Bild mit dem Samenkorn füge ich hier bei. Beobachtungen an einem ungewöhnlichen Notocactus leninghausii
Abb. 1: Einmal pro Jahr wurde "Goliath"entstaubt, d. h. die feine Axillenwolle entfernt Als ich 1982 von der DKG-Samenverteilung den bestellten Samen von Notocactus (Eriocactus) leninghausii erhielt, fiel mir sofort auf, daß eines der Körner etwa doppelt so groß war wie alle anderen. Obwohl ich erst annahm, daß das Korn von einer anderen Pflanze stammte, säte ich es mit dem übrigen Samen zusammen in einem 6er-Töpfchen aus. Doch welch' eine Überraschung! Das Korn lief nicht nur fünf Tage eher auf, der Sämling wuchs auch so schnell heran, daß er - einem Kuckuck im Rotkehlchen-Nest gleich - die umgebenden Geschwister in kurzer Zeit regelrecht verdrängte. So blieb mir schon nach vier Wochen nichts anderes übrig als zu pikieren, um die verbliebenen Kleinen von dem bereits 20 mm großen Sämling zu befreien. Das Umtopfen sollte nun eine Daueraufgabe werden! Immer wieder war nach kurzer Zeit der Topf zu klein. (Ich glaube, im 1. Jahr habe ich viermal und in den darauffolgenden Jahren zwei- bis dreimal pro Jahr umgetopft!).Die Bedornung sah wie bei den sich ganz normal entwickelnden Geschwisterpflanzen aus Sie war nur länger und gröber. Leider steht mir kein Gewächshaus zur Verfügung, so daß meine Kakteen jedes Jahr nach den Eisheiligen auf den Balkon geschleppt und Anfang November in die Wohnung zurückgebracht werden müssen. Abb. 1 zeigt den N. leninghausii im Herbst 1995 im Wohnzimmer auf dem Fußboden stehen; denn für das Fensterbrett war er viel zu groß geworden. Voriges Jahr im März traute ich meinen Augen kaum: Als die Pflanze fast die Zimmerdecke erreicht hatte, entdeckte ich doch tatsächlich eine Blütenknospe in Scheitelnähe! Auch diese wuchs mit einer unglaublichen Geschwindigkeit einem ca. 1,3 m entfernten Fenster zu und dann - aus dem gekippten Fenster hinaus (Abb. 2). Als die Blüte auf war, war das solch eine Sensation, daß einige Reporter der hiesigen Lokalpresse darüber berichtet haben.
Abb. 2: Eine Satellitenschüssel? Fast 80 cm im Durchmesser maß die Blüte der N. leninghaussii-Hybride, die sich durch das geöffnete Fenster geschoben hatte Offensichtlich erhielt ich damals ein Korn einer Hybride. In Anbetracht der langen Blütenröhre kann der Pollenspender wohl nur eine Echinopsis kermesina oder ein Trichocereus gewesen sein. Für die Annahme, daß die Mutterpflanze selbst schon ein Bastard war, spricht, daß sie sich mit einer Gattung kreuzen konnte, die taxonomisch weit von ihr entfernt steht. Erstaunlich ist jedoch, daß das Erbgut der "Leninghausii" bis in die F2-Generation hinein so dominant blieb, zumindest was die Bedornung betrifft. Egal. Ich benenne hiermit diese herrliche Pflanze "Goliath". Die Frucht war relativ zum Pflanzenkörper klein, doch als sie im Spätsommer zusammen mit dem langen, vertrockneten Blütenrest abfiel, konnte ich ihr (leider nur) acht Samen entnehmen. Aber was waren das für "Körner"! Nüsse kann man wohl eher sagen (Abb. 3)! Sie sehen -von der äußeren Struktur her - dem Samen von Setiechinopsis mirabilis ähnlich. Der Kern schmeckt jedoch ziemlich bitter. Wie die Befruchtung zustande kam, kann man nur spekulieren. Es kann eigentlich nur eine Reizbestäubung durch Bienen oder Hummeln gewesen sein. Und ich erinnere mich, daß zu gleicher Zeit ein Kastanienbaum in unmittelbarer Nähe blühte.
Abb. 3: Der Samen ist wohl der Größte unter den bekannten Kakteen Haben Sie bitte Verständnis dafür, daß ich, der Autor, lieber anonym bleiben möchte, denn ich befürchte einen zu großen Ansturm auf die paar Nüsse (die ich schon anderen versprochen habe). Es wäre aber von großem wissenschaftlichen Interesse, wenn sich der Samenspendervon 1981/1982 in einem Leserbrief melden würde! Die inzwischen 3 m hohe Pflanze steht übrigens seit Herbst vorigen Jahres bei einem Kakteenfreund im Grundbeet seines großen Gewächshauses, direkt unter dem 4,5 m hohen First. (P.S. Weitere Abnormitäten kündigen sich in meiner Sammlung übrigens an: Vor kurzem hat erstmals eine Espostoa geblüht - aber mit welchem Ergebnis! Die tiefroten Blüten (......) lassen erahnen, daß da auch irgendeine andere Pflanze mitgemischt hat. Ich werde bei Gelegenheit darüber berichten.) |